Archive for April, 2010

CROWD OF ISOLATED Reunion

April 9, 2010

Wenn das Wort inzwischen nicht so ab- und ausgelutscht, missbraucht und verfremdet wäre, dann könnte man CROWD OF ISOLATED als die erste deutsche “Emo-Hardcore” Band bezeichnen. Jedenfalls ist mir keine vergleichbare deutsche Platte bekannt, die diesem Stilbegriff seinerzeit so gerecht wurde, wie ihre erste LP “I Try To Tell…” von 1987. Nun gibt es CROWD OF ISOLATED seit ca. 2 Jahren wieder – und prinzipiell stehe ich allen Reunions skeptisch gegenüber. Von etlichen Aspekten, die in dieser Hinsicht suspekt und diskutabel wären mal ganz abgesehen, ist es einfach lächerlich wenn sich Mittvierziger immer noch YOUTH OF TODAY nennen, u.s.w… Dass eine Reunion aber nicht zwangsläufig stattfindet, um mit uralten Hits noch mal abzusahnen, sondern durchaus auch eine andere Motivation zugrunde liegen kann, ist genauso unstrittig. In der neuesten Ausgabe des OX gibt’s nun ein lesenswertes Interview mit CROWD OF ISOLATED Sänger Michael (aka Gurke), welches Beleg genug scheint, dass es sich hier nicht um einen Nostalgie- und Cash-In Trip handelt. Der eigentliche Grund, weshalb ich das hier erwähne, ist aber eine Aussage Michaels, die ich hier zitieren möchte, auf die Frage ob sich in der “Szene” über die Jahre etwas verändert hat:

“Durch das Organisieren von Konzerten bin ich in den letzten 15 Jahren vielen Bands und auch vielen jungen Bands begegnet, die wohl irgendwie in einem Zusammenhang mit Underground, Indie, HC, etc. zu bringen waren. Oft war ich sehr erstaunt, wie wenig “subkultureller Background” bei den Leuten vorhanden war, den ich eigentlich vorausgesetzt hatte. Deren Musik quasi völlig isoliert den luftleeren Raum füllt, will sagen: Losgelöst vom Kontext, also nur Kulisse ohne Unterbau. Allein die Musik mit passendem Outfit und Habitus als Eintrittskarte in die schöne bunte Welt des Underground. Mittlerweile ist vieles zur Farce geworden. Eine Euphorie jagt die nächste, völlig sinnentleert und inhaltslos, just fashion. Und das Ganze als vollständig zu reproduzierendes Schnittmuster – und wir alten Säcke sind mal wieder am stänkern und gehen mit so konservativen Tugenden hausieren wie etwa Individualität zu entwickeln oder auch nur zuzulassen.”

Treffender hätte man es wohl kaum ausdrücken können, was sich mit meinen alltäglichen Erfahrungen im Umgang mit etlichen neuen Bands und (leider auch sogenannten) neuen Independent-Labels deckt. Diese Aussage illustriert dann auch ganz gut (nur als ein Beispiel unter Vielen) die Differenz und Diskrepanz zwischen zwei oberflächlich musikalisch durchaus ähnlichen Bands wie WETDOG einerseits und LOGIKPARTY andererseits…

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